Ist Digitalisierung Teil von Corporate Social Responsibility?

Während Digitalisierungsthemen wie Industrie 4.0, Digitaler Arbeitsplatz, Big Data etc. mit ihren Vor- und Nachteilen bereits unzählige Male diskutiert wurden, scheint es, als würde das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) in Verbindung mit Digitalisierung auf der Strecke bleiben. Das Thema Digitalisierung wird nicht einmal im United Nations Global Compact, der größten weltweit agierenden Nachhaltigkeitsinitiative der Vereinten Nationen, gelistet. Es finden sich natürlich im Code of Conduct vieler Unternehmen ausgefeilte Richtlinien, wie mit Datenschutz, Social Media oder mobilen Geräten umgegangen werden soll. Das führt das unweigerlich zur Frage: Reicht das?

Viele Digitalisierungsthemen werden einfach auf andere Abteilungen im Unternehmen abgeschoben, so ist Datensicherheit ein Thema der IT-Abteilung oder das Schaffen und Managen von Digitalen Arbeitsplätzen Thema der Personalabteilung. Eine derartige Ansicht reicht bei genauerer Betrachtung nicht aus, da Digitalisierung viel weiter geht, als dass es nur fragmenthaft Eingang in verschiedene Unternehemensabteilungen findet.

Digitalisieung soll nicht in Teilbereiche aufgeteilt werden und den unterschiedlichen Abteilungen im Unternehmen zugewiesen werden

Vorbereitung auf den Arbeitsplatz 4.0

Dank der zukunftsorientierten und verantwortungsgeleiteten Natur von CSR, sollte es Aufgabe der CSR sein, die Gesellschaft und die Arbeitswelt auf den Arbeitsplatz 4.0 vorzubereiten. Die traditionellen Konzepte von Arbeitsplätzen in Unternehmen verändern sich zunehmend. Stakeholder rücken Stück für Stück näher zusammen und arbeiten gemeinsam auf digitalen Plattformen, um durch einen projektbasierten Lösungsansatz ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dies soll nicht bedeuten, dass vorhandene Grenzen zwischen den Stakeholdern verschwinden werden, viel mehr werden die wahrgenommenen Grenzen zeitweise so durchlässig, dass klare Abgrenzungen nicht möglich sein werden. So wird das ganze Konzept von Konkurrenz und Marktumfeld verändert. Kunden werden plötzlich zu Produkt- oder Markenbotschaftern und aus Konkurrenten werden Kollaborateure, mit denen Synergieeffekte voll ausgenützt werden können. Weiters bedeutet dies aber auch, dass Disziplinen wie Marketing, PR, Social Media und IT miteinander verschmelzen.  Diese Trends bedeuten für CSR, dass die vorherrschende Meinung bezüglich Patentrecht oder Copy Rights neu überdacht werden muss. Wie kann man die Rechte und Pflichten von Mitarbeitern in einem Umfeld managen, in dem hybride Arbeitsplätze Usus werden und den herkömmlichen, fixen Schreibtischplatz im Unternehmen verdrängen?

 

Aber nicht nur die Konzeption von Arbeitsplätzen, auch das traditionelle Projektmanagement gehört überdacht. Digitalisierung bringt, bis zu einem gewissen Grad, auch Kontrollverlust mit sich, da die Anzahl an Akteuren, Abhängigkeiten und Netzwerken nahezu unendlich wird und dazu führt, dass man als Individuum die Datenhoheit verliert. Welchen Einfluss hat aber so ein Verlust auf nachhaltiges Datenmanagement? Wie sollen weiterhin Nachhaltigkeit und Öko-Fußabdrücke in einem Umfeld verfolgt werden, das so volatil und dynamisch ist? Wenn man auf die Vergangenheit zurückblickt, ist es offensichtlich, dass durch Digitalisierung viele Bereiche des täglichen Lebens enorm beschleunigt wurden – Informationsbeschaffung im Vorfeld einer Kaufentscheidung, Behördengänge, Schriftverkehr etc. Auf die Arbeitswelt bezogen, konnte die benötigte Zeit für Geschäfts- oder Entscheidungsfindungsprozesse ebenfalls massiv verringert werden. Es lässt sich bis jetzt auch kein Indikator finden, der eine Verlangsamung in Aussicht stellen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Komplexität und der Grad an Vernetzung wird weiterhin zunehmen, wobei es für Menschen immer schwerer wird, diese Prozesse zu managen. Als Konsequenz daraus bedarf es Informations- und Telekommunikationstechnologien, um diese Prozesse zu unterstützen, damit der Mensch den Überblick behalten kann.

Veränderungen als Chancen nutzen

Aber digital zu sein bedeutet auch, sich in ständiger Veränderung zu befinden. Für viele Mitarbeiter eine furchtbare Vorstellung – ihre persönliche Komfortzone zu verlassen und in eine ungewisse Zukunft zu sehen. Diese Veränderlichkeit bedarf einer geänderten Unternehmenskultur, in der Manager und Angestellte akzeptieren, dass die Gültigkeit ihrer Entscheidungen nicht von Dauer ist und diese Veränderung aber nicht als etwas Negatives, sondern als Chance sehen, sich und das Unternehmen kontinuierlich zu verbessern. Unternehmen werden sich von starren und Entitäten zu dezentralisierten und dynamischen Netzwerken entwickeln. Genau hier muss CSR ansetzen, um diese Entwicklung von Anfang an zu formen und Nachhaltigkeitsaspekte unterstreichen.

Veränderungen stellen eine Möglichekit für das Unternehmen dar, sich kontinuierlich zu verbessern

(Weiterführende Literatur hier)